Niederrhein Nachrichten, 12. April 1995

Kunstausstellung im Gelderner Verwaltungshaus

Heribert Reul - Ein Querschnitt durch das Werk

GELDERN. Seinen Arbeiten sind schon viele Menschen am Niederrhein begegnet. Doch er selbst ist für die meisten ein unbekannter Künstler geblieben. In den nächsten Wochen kann sich das aber ändern. Eine umfangreiche Werkschau, die ab dem 18. April im Foyer der Gelderner Stadtverwaltung präsentiert wird, bietet die Möglichkeit, einen Gesamteindruck zu gewinnen vom künstlerischen Schaffen Heribert Reuls, der wie nur wenige andere Künstler mit zahlreichen seiner Werke präsent ist im alltäglichen Lebensumfeld der Menschen des Niederrheins.

Ob in Alpen oder Walbeck, in Donsbrüggen oder Straelen, ob in Geldern oder Kevelaer, überall kann man öffentliche und private Gebäude, Schulen und Kirchen antreffen, für die Heribert Reul Mosaiken oder Wandbilder, Skulpturen oder Glasfenster geschaffen hat. Der schon seit langem in Kevelaer lebende Künstler, der 1911 im heute belgischen Herbesthal bei Eupen geboren wurde und sein Metier handwerksmäßig als Kirchenmaler erlernte, hat vor allem in den 50er Jahren an zahlreichen Bauvorhaben mitgewirkt.
Obwohl der regionale Schwerpunkt seiner Arbeit dabei in der niederrheinischen Region lag, fand er auch international Anerkennung. Zum Beispiel erhielt Heribert Reul Aufträge für die künstlerische Ausstattung der St. Bonifatius-Kirche der Deutschen in London und für mehrere Bischofskirchen auf den Philippinen.
Da die Arbeiten, die der vielseitige Künstler für kirchliche und andere Gebäude anfertigte, teilweise einen integralen Bestandteil der jeweiligen Bauwerke bilden, wie zum Beispiel die Sgraffiti, die in Kevelaer die Beichtkapelle und die Kirche der Klarissenschwestern schmücken, kann die Gelderner Werkschau von solchen Objekten allerdings nicht die Originaie präsentieren.
An ihre Stelle treten zum einen die jeweiligen Entwürfe und zum anderen Photos, die das fertiggestellte Werk an seinem Bestimmungsort dokumentieren. Es wird so möglich, die Entwicklung der Kunstwerke vom Entwurf bis zum ausgeführten Obiekt nachzuvollziehen. Die immobile Kunst am Bau umfaßt jedoch nur einen Teil dessen, was Heribert Reul in vielen Jahrzehnten schuf.
Er war auch als Buchillustrator tätig, und aus seiner Werkstatt gingen Entwürfe für Wandbehänge, Paramente und liturgische Geräte ebenso hervor wie größere und kleinere Bronzen.
Mit Originalkunstwerken vergegenwärtigt die Ausstellung diese Arbeitsfelder.
Nicht chronologische Werkepochen, sondern die einzelnen Werkbereiche und die in ihnen angewandten künstlerischen Techniken bilden auch das Strukturierungsprinzip der Ausstellung, die der Kunsthistoriker Peter Lingens zusammengstellt hat, der zum Mitarbeiterteam des Gelderner Stadtarchivs gehört. Von dem Ausstellungsmacher wird auch das Konzept erläutert, das die konkrete Gestaltung der Werkpräsentation bestimmte.
Peter Lingens: „Bei der Ausstellung war mir besonders wichtig, auch das Umfeld der Kunstwerke zu beleuchten. Beispielsweise werden die Auftraggeber benannt und die Anbringungsorte der Kunstwerke vorgestellt. Mit historischen Zeitungsartikeln wird auf die zeitgenössische Reaktion auf die Kunstwerke verwiesen. Auch die künstlerischen Techniken, zum Beispiel das Sgraffito, werden erläutert."
Die Ausstellung ist zwischen dem 18. April und dem 10. Mai montags bis donnerstags jeweils von 8 bis 17 Uhr geöffnet. An den Freitagen ist sie von 8 bis 13 Uhr zu besichtigen.

[Autor: Rainer Schmidt, Geldern]

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